• Obacht – wer haette es gedacht…


    Party

    Anfang 2002 war das und ich hatte nach wochenlangem Reisen im Süden Thailands tatsächlich ´nen Insel-Overflow. Zuviel Party, zuviel laute Musik, zuviel der oberflächlichen Zwischenmenschlichkeiten und den Mekong konnt ich auch nicht mehr sehn. Aber die wildeste Party stand mir noch bevor und das konnte nach der Full Moon Party vor 2 Tagen auf Koh Phangan nun wirklich keiner vermuten.

    Seit dem lag ich wechselnder Weise entweder in meinem Bett, vor der Sonne Schutz suchend, oder in der Hängematte mit Blick aufs Meer. Wenn der Schädel nicht wäre! Mit dem Nachtzug gings wenige Stunden später nach Chiang Mai, wo ich mich für eine zweiwöchige Yoga Massage Schulung eingeschrieben hatte, um in der letzten Phase meiner Asien-Reise noch was einigermaßen sinnvolles mitzunehmen. Seit Nächten schon nicht mehr richtig geschlafen und die Stunden im Nachtzug waren von nächtlicher Ruhe auch meilenweit entfernt. Stockbett an Stockbett reihten sich die Wagons und das stundenlang weinende Kind über mir nur eine der vielfältigen Geräuschkegel. Bäääm! Alle Neune…

    Es hatte sich gelohnt. Die schöne Stadt Chiang Mai, ein schickes Hotel und viele neue Bekanntschaften bestehend aus einer knapp dreissig köpfigen Yoga Klasse. Überall her, die Teilnehmer, und schnell fanden wir uns in Form einer vierköpfigen Truppe, ein Holländer, ein Schotte und ein Australier, mit denen ich mich Abends zum Essen, Massieren üben und Herumblödeln traf. Die zwei Wochen vergingen wie im Flug und nach erfolgreich abgelegter Prüfung, die uns sichtlich einfach gemacht wurde, wollten wir das Massage Zertifikat gebührend feiern. Also kauften wir kräftig ein und trafen uns auf der Dachterrasse des Holländers, unschlagbarer Blick über die Altstadt und in freudiger Erwartung einer rauschenden Nacht in einem Laden mit dem vielversprechenden Namen Bunny Night Club. Der Schotte gab ordentlich Gas und wir schlürften fleissig hinterher. Kurz nach Mitternacht steuerten wir Den Bunny Laden an und schnell war klar, dass dies die richtige Wahl war. In einer angenehmen Mischung aus umgänglichen Backpackern und Einheimischen tanzten wir zu House- und elektronischer Musik, der Abend wurde später und die Gäste hübscher. Der durchdringende Blick einer Thai Schönheit blieb mir nicht verborgen. Schon seit ungefähr einer halben Stunde lächelten wir uns zu, aber irgendwie hatte ich keinen Bock auf Unterhaltung. Wer weiß ob sie mein lallendes Englisch versteht, wer weiß, ob sie überhaupt englisch spricht? Who the fuck cares!

    Näherte mich ihr tanzend und hatte schnell ´ne Hand an meinem Arsch, derart forsch ging die Gute zu Werke. Die Situation, der Alkohol, Rausch stieg mir zu Kopf und plötzlich hatte ich eine Zunge mehr im Mund. Für eine ganze Weile vergaß ich mich und wir knutschten wild zwischen der feiernden Meute herum. Normalerweise gar nicht meine Art, aber in dem Moment hatte das einfach gepasst. Luft holen und weiter küssen, berühren, eng umschlungen dürftig zum Takt bewegen. Sie nahm mich bei der Hand und steuerte die nächste Bar an. Wir hatten immer noch kein Wort gewechselt, hätte Sie viele weitere Stunden lang einfach nur anschauen können, aber nach dem dritten Kurzen wollte ich fragen, ob ich nicht auch mal die Zeche übernehmen solle. Sie sagte: No thanks, be my guest…  und ich nahm überraschend, bestürzt und schlagartig nüchtern wahr, “sie” war ein “er” und ich schaffte es gerade noch nach draussen, um mich dort ein paar Meter vom Türsteher entfernt dem Alk der letzten Stunden zu entleeren.

    Pfui deibel Ladyboy. Pfui deibel!

     

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